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Mittwoch, 29. Oktober 2014, 00:13

Taufbecken der Sebalduskirche/Nürnberg (Thomas Pleiner & Swen Papenbrock) 1:10

Untitled Document

Das Taufbecken der Nürnberger Sebalduskirche
Modellbogen – Maßstab 1:10
(23 Teile)

Herausgeberin: Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Nürnberg - St. Sebald
Burgstraße 1-3 • D-90403 Nürnberg
Tel. +49 911 2142500
www.sebalduskirche.de

Konstruktion & Gesamtgestaltung: Thomas Pleiner
Binnenillustration: Swen Papenbrock
Kontrollbau & Modellfoto: Thomas Rothe, Nürnberg
Fotos: Thomas Bachmann, Bamberg
©2014 Ev.-Luth. Kirchengemeinde Nürnberg - St. Sebald

 

Eindrucksvoll thront das Taufbecken im romanischen Westchor von Nürnbergs ältester Pfarrkirche. Sein ursprünglicher Standort befand sich allerdings, ebenso wie der seines Vorgängers, zwischen den westlichsten Pfeilern des Mittelschiffes, nahe an dem auch »Tauftüre« genannten Marien-Portal. Über Jahrhunderte wurden durch dieses Portal Kinder zur Taufe gebracht, darunter auch der wohl berühmteste Sebalder Täufling ? Albrecht Dürer (1471). Vermutlich erst im 19. Jahrhundert wurde das Taufbecken an seinen jetzigen Standort versetzt und somit der Westchor zu einer bis dahin nicht vorhandenen Taufkapelle gewandelt. Die Gemeinde der Sebalduskirche versteht diesen exponierten Standort als Hinweis auf die ökumenische Bedeutung des Taufsakramentes, das die gesamte Christenheit vereint.

Das wohl von einem namentlich nicht bekannten Glockengießer geschaffene Taufbecken ist mit seinem reichen figürlichen und ornamentalen Schmuck ein herausragendes Beispiel spätmittelalterlichen Bronzegusses. Während der Beckenkessel mehrmals erneuert wurde, ist das bronzene Taufbecken mit Schale, Schaft und Fuß weitgehend original erhalten.

Die Schale ist mit insgesamt 21 Bildfeldern üppig geschmückt: Dargestellt sind Christus als Weltenherrscher sowie eine Kreuzigungsszene, da dem Römerbrief (6, 3ff) zufolge alle Getauften durch Christus erlöst sind. Diese beiden Christusdarstellungen sind durch Arkaden aus gotischem Maßwerk verbunden und zeigen Apostel (z. B. Andreas mit den X-förmigen Kreuz und Petrus mit dem Schlüssel) sowie Heilige (u.a. Katharina von Alexandria mit dem Rad und Barbara mit Kelch und Hostie).

Auf dem Schaft finden sich 13 Felder: Christus inmitten der klugen und der törichten Jungfrauen mit ihren Öllampen (Matthäus 25, 1-13). Das zwölfte Bildfeld zeigt erneut die Kreuzigung Jesu, während das im 13. Feld befindliche vergitterte Türchen es ermöglichte, das Taufwasser im Kessel durch heiße Kohle von unten zu temperieren.

Durch die Abbildung der weiblichen Heiligen auf der Schale und der klugen Jungfrauen auf dem Schaft erhielt das Taufbecken Bezug zum Westchor, der den heiligen Jungfrauen des Christentums geweiht war. Diese nahmen in der Theologie des Mittelalters eine bevorzugte Position im Himmel ein. Gleichzeitig verwiesen die klugen Jungfrauen auf die Taufe, wie ein Zitat des antiken Kirchenlehrers Hilarius von Poitiers zeigt, der in seinem Kommentar zum Matthäus-Evangelium schrieb: »Die Lampen also sind das Licht der leuchtenden Seelen, welche durch das Geheimnis der Taufe Glanz erhalten haben«.

Vor dem Schaft stehen vier plastisch ausgearbeitete Heiligenfiguren, die vermutlich als Evangelisten zu deuten sind. Bei der vollständig erhaltenen Figur dürfte es sich um einen Nachguss aus dem 16. Jahrhundert handeln, die drei Plastiken ohne Unterarme hingegen stammen aus der Entstehungszeit des Beckens. Ob ihre Arme und vielleicht auch Attribute bereits während der Reformationszeit entfernt wurden, ist bislang nicht geklärt.

Zusammen mit dem Sebaldusgrab aus der Werkstatt Peter Vischers (1519) bildet das Taufbecken eine Achse im Mittelschiff der Kirche, die Menschen seit Jahrhunderten Wiege und Bahre, Anfang und Ende des Lebens vor Augen führt. Gleichzeitig unterstreichen beide Kunstwerke jedoch die christliche Hoffnung auf eine Auferstehung, die mit der Wiege beginnt und weit über jede Bahre hinausführt.

Figurenschmuck des Taufbeckens
Auf dem oberen Ring dargestellte Heilige mit ihren Attributen, beginnend bei der Kreuzigung (rechtslaufend):

  • Kreuzigung
  • evtl. Apostel Matthias - Beil
  • Apostel Andreas - Andreaskreuz
  • Hlg. Katharina von Alexandria - Schwert und Rad
  • Apostel Bartholomäus - Messer
  • Apostel Thomas - Lanze
  • evtl. Apostel Simon Zelotes - evtl. Säge
  • Hlg. Ursula - Pfeil
  • evtl. Apostel Matthäus - Buch
  • nicht identifizierbare männliche Figur
  • nicht identifizierbare männliche Figur
  • nicht identifizierbare männliche Figur
  • Jesus als Weltenherrscher
  • Apostel Petrus - Schlüssel
  • Paulus - Buch und Schwert
  • Apostel Johannes - Kelch und Schlange
  • Hlg. Dorothea - Korb mit Rosen
  • Apostel Jakobus d.Ä. - Muschel
  • evtl. Apostel Judas Thaddäus - evtl. Keule
  • Apostel Philippus - T-Kreuz
  • Hlg. Barbara - Kelch und Hostie

Auf dem Schaft des Taufbeckens findet sich gegenüber des Ofentürchens Christus als Weltenherrscher, links von ihm die fünf klugen Jungfrauen, rechts von ihm die fünf törichten Jungfrauen, gefolgt von der Kreuzigung.

Text: Petra Seegets


Erscheint am 01.11.2014

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Samstag, 1. November 2014, 18:43

Drei Bilder vom Kontrollbau... Fotos © 2014 mtp-studio.de / thomas pleiner
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